Anfangsenergie | newsletter 12 / 2017

“Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.”

aus: Stufen, Hermann Hesse

Der Start ins neue Jahr bringt die Möglichkeit mit sich, neu anzufangen; alles Neue wird von der Gnade getragen, die jedem neuen Anfang zu eigen ist. Wenn wir die Welle der Anfangsenergie gekonnt reiten, dann können wir unsere Ziele erreichen. Es ist eine Tradition, sich zu Beginn des neuen Jahres gute Vorsätze vorzunehmen- doch ist es nicht immer einfach, diese einzuhalten. Sie bleiben nur gute Vorsätze, die nicht in die Tat umgesetzt werden. Ein Sprichwort besagt: “Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.”  Wie also können wir unsere guten Vorsätze erfolgreich umsetzen und die Welle meisterhaft reiten ohne unterzugehen?

Alle Prozesse haben eine zyklische Struktur. Wenn wir diese kennen und unsere Aufmerksamkeit darauf lenken, können wir leichter erfolgreich sein. Jeder Anfang ist geprägt durch Enthusiasmus und durch wenig eigene Anstrengung, alles scheint wie von selber zu laufen. Nach einiger Zeit wenn die Anfangsenergie schwächer wird, ist unsere eigene Anstrengung mehr gefragt. Diese Anstrengung sollte möglichst entspannt und losgelöst sein, im Vertrauen darauf, dass wir unser Ziel erreichen.  Mit Hilfe unserer Willenskraft und unserem Durchhaltevermögen können wir die Effizienz unserer Taten vergrössern. Um bleibende Ergebnisse in unserer Yogapraxis (und auch in anderen Lebensbereichen) zu erzielen braucht es meistens langfristige und konstante Anstrengung. Bevor wir unser Ziel erreichen, werden wir vielleicht konfrontiert mit Frustration oder inneren Widerständen oder wir verlieren unser ursprüngliches Ziel aus den Augen, weil wir von anderen Dingen abgelenkt werden. In diesem Moment, den man als Wendepunkt bezeichnen könnte, ist es nötig, dass wir bewusst den Impuls zur Tat durch unsere Willenskraft erneuern. Dadurch verbinden wir uns mit dem ursprünglichen Bestreben und mit der Anfangsenergie. Es befreit uns auch von Routine und Langeweile, die sich vielleicht eingeschlichen haben. Alle Prozesse zeichnen sich durch diese Phasen aus, welche hier noch einmal kurz zusammengefasst dargestellt werden:

  • Anfang: Enthusiasmus, kleine eigene Anstrengung, grosse Ergebnisse.
  • Fortgeschrittene Phase: Enthusiasmus nimmt ab, eigene Anstrengung ist gefordert, Gnade des Anfangs vermindert sich.
  • Wendepunkt: Herausforderungen, Hindernisse tauchen auf. Erneuerung des Impulses zur Tat durch Willenskraft ist nötig. Ausdauer und Durchhaltevermögen sind gefragt. Überwinden der Hindernisse durch Anstrengung.
  • Endphase: das Ziel ist erreicht, klare Ergebnisse. Anerkennung des eigenen Einsatzes, Freude am Ergebnis.

Somit sehen wir, dass der Wendepunkt eine entscheidende Rolle spielt, um den guten Vorsatz in die Tat umzusetzen- wenn wir den Vorsatz aufgeben, haben wir vergessen oder verpasst den Impuls zu erneuern und unsere Willenskraft bewusst einzusetzen. Das Bewusstsein darüber, dass ein solcher Wendepunkt in jedem Prozess auftauchen wird, hilft uns dabei ihn zu erkennen und zu überwinden. Das beste Mittel, um unsere Aspiration und unseren Enthusiasmus zu nähren, ist die bewusste Wahrnehmung unsere Ergebnisse der Yogapraxis und sie zu schätzen. Wenn wir unser Ziel erreicht haben, sollten wir dies gebührlich feiern und geniessen. Das wird uns unglaublich viel dabei helfen, uns etwas Neues vorzunehmen und es in die Tat umzusetzen.

 

Energy of the beginning

As we start in a New Year now, we have the chance to begin new things with the support and the grace which are inherent to all beginnings. When we wisely ride the wave of the beginning we can reach our goals we aim for.  It is a tradition to pick some promises for oneself in the beginning of the new year- yet it is not always easy to keep them. They thus remain as mere good intentions. It is even said that  “Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.” “The road to hell is paved with good intentions”(Sprichwort). Then how can we keep our promises and accomplish our goals?

All processes have a cyclic structure. When paying attention to it, we can have success. It all starts with the beginning, which is usually marked by enthusiasm and with a small effort needed from our side. When the energy of the beginning starts to decrease our effort is needed more. The effort needs to be relaxed and detached. With the help of our willpower and perseverance we can increase the efficiency of our actions.

Getting permanent and clear results in yoga practice (and many other areas of our life) often takes long lasting efforts: before we reach our aim we might experience frustration and saturation or some other goals and needs tend to deviate us from the one we chose to accomplish. This is where we need to renew the impulse of will. To renew the impulse is to connect ourselves to the initial aspiration, to the energy of the beginning. This  is also helping us not to fall into routine and boredom. Mostly all processes can be described with these steps:

  • Beginning: enthusiasm, minimal effort, big results
  • Advanced phase: enthusiasm decreases, grace diminishes, own effort is needed
  • Turning point: challenges, big effort needed, will power, perseverance. Overcoming obstacles, not giving up. Renewing consciously the impulse of willpower
  • Challenges overcome, success, clear results

So if we fail to keep our promises then it is because we miss the turning point; we stop to make efforts or forget about our goal. The awareness, that such a turning point eventually will come in every process helps us recognize it and overcome it.

The best way to feed our enthusiasm and aspiration is to become aware of the effects of our practice. So when we have succeeded to reach our goal we should cherish our accomplishments and enjoy the results of the effort. This will immensely help us to go for another aim.