Die Stimme des Herzens | newsletter 9 / 2018

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
– A. de Saint -Exupéry

Wir können mit dem Herzen das Wesentliche erkennen und das Herz kann uns dies auch durch die innere Stimme mitteilen.

Oft hören wir im Alltag vor allem auf unseren analytischen Geist, der argumentiert, abwägt und kalkuliert. Die Gedanken drehen sich im Kreis und wir spielen eine Situation immer wieder durch, um herauszufinden, wie wir uns hätten verhalten sollen oder wie wir in Zukunft in einer ähnlichen Situation reagieren könnten. Es gibt auch eine andere Möglichkeit, für sich den richtigen Weg zu finden: mit der Aufmerksamkeit vom Kopf ins Herz kommen und auf die leise innere Stimme hören, die in der Stille und Zentriertheit wahrnehmbar wird. Wie können wir in unserem Leben auf diese Stimme hören und die Verbindung zu unserem Herzen aufrecht erhalten?  Darum geht es in diesem Newsletter.

Unsere ganze (vor allem schulische) Bildung konzentriert sich vor allem auf das Training der mentalen Fähigkeiten (manas in Sanskrit) und lässt die emotionale und spirituelle Ebene ausser Acht. Das ist mit ein Grund, warum wir konditioniert sind, Probleme mit dem analytischen Geist anzugehen – dieser hat durchaus eine Rolle zu spielen, aber nicht die einzige. Unser Herz braucht Raum und Ruhe, um seiner Stimme Gehör zu verschaffen; wenn unser Geist unruhig ist und ausgefüllt wird mit kreisenden Gedanken, dann wird diese innere Stimme übertönt.

Also brauchen wir Momente in unserem Alltag, in denen wir uns Zeit nehmen für Stille und Achtsamkeit. Vielleicht gelingt uns das, wenn wir einen Moment in der Natur verbringen, ohne andere Menschen um uns herum oder auch einfach Zuhause an einem Platz, an dem wir uns wohlfühlen. Die äussere Stille ist hilfreich, um innere Ruhe zu schaffen. In dieser Stille erlauben wir uns einfach mal zu sein und wahrzunehmen, ohne zu beurteilen und zu analysieren. Wir brauchen auch kein Ziel für diesen Moment, es genügt, einfach da zu sein.

Hilfreich ist es, eine innere Haltung einzunehmen, die von Akzeptanz geprägt ist. In der eigenen Mitte zu sein bedeutet, dass wir das, was gerade in unserem Leben aktuell ist, annehmen können. Manche Dinge sind einfach anzunehmen, andere schwierig. Doch nichts ist zufällig in unser Leben getreten, alles birgt eine Lektion in sich für uns.

Aus dem Herzen handeln heisst auch Verantwortung zu übernehmen für sich und sein Leben, in all seinen Aspekten. Wenn wir Verantwortung übernehmen, dann suchen wir nicht im Aussen Schuldige für unsere Situation sondern packen sie an und suchen nach einer konstruktiven Lösung. Durch die innere Zentriertheit können sich manchmal auch unerwartete Ideen präsentieren, die sich unser niedere Geist  nicht hätte vorstellen können. Zusätzlich können wir auf dem Weg zu einer Veränderung Situationen oder Begegnungen, die uns weiterhelfen (Synchronizitäten), erleben. Unsere innere Zentriertheit bringt mit sich, dass wir uns vom Leben getragen fühlen und dass wir erfahren, wie alles harmonisch im Fluss ist. Wir fühlen uns immer lebendiger und sind wer wir wirklich sind, ohne Masken und Hüllen.

Je öfter wir das Fokussieren auf das Herz praktizieren, desto leichter fällt es uns zentriert zu sein, sogar im Handeln und in Situationen, in denen wir nicht Zeit finden, uns zu einem stillen Ort zurück zu ziehen. Es fühlt sich an, als ob man sich im Auge des Sturms befindet und nichts kann die innere Ruhe erschüttern und man fühlt tiefen Frieden und Freude, die vom Aussen unabhängig sind. Wenn dieser Zustand andauernd ist, zeigt er an, dass unsere Seele erweckt worden ist (jivatma in Sanskrit) und wir haben eine wichtige Stufe auf dem Yogapfad erreicht. Sie ist ein Tor zu weiteren höheren Bewusstseinsstufen und führt uns zu unserem Höheren Selbst (Atman in Sanskrit).

Übung:

  • Suche einen ruhigen Platz an dem du dich wohlfühlst.

  • Setze dich mit aufrechter Wirbelsäule hin.

  • Schliesse die Augen.

  • Nimm deinen Körper wahr. Entspanne.

  • Nimm die Atmung wahr ohne sie zu beeinflussen.

  • Erlaube dir zu sein.

  • Konzentriere deine Aufmerksamkeit auf deine innere Mitte (auf das spirituelle Herz), lass die Aufmerksamkeit nach Innen gehen.

  • Wenn Gedanken kommen, lass sie vorbeiziehen.

  • Wenn du magst verwende Musik, die das Zentrieren im spirituellen Herz unterstützt, z.B. Flowers of the Forest (Youtube) Oder die Playliste(Youtube). Halte die Augen geschlossen (das Video ist sekundär).

  • Lass dir für diese Meditation 15-20 Zeit.

  • Kehr langsam zurück zur Umgebung.

  • Erinnere dich im Alltag an den Zustand der Zentriertheit und kehre dahin zurück, egal was du gerade tust und wo du gerade bist.